Politbarometer August 2026: Merz erreicht Tiefstwert, Pistorius führt Sympathie-Ranking an
Sympathiewerte deutscher Politiker im ZDF-Politbarometer August 2026: Kanzler Merz bei −1,9 (Rekordtief), Pistorius führt mit +1,3, Weidel liegt mit −2,5 auf Platz 10.
Am Mittwoch, 20. August 2026, veröffentlichte der Sender ZDF sein August-Politbarometer — eine monatliche Umfrage zur deutschen öffentlichen Meinung, die das Meinungsforschungsinstitut Forschungsgruppe Wahlen durchführt. Die Veröffentlichung ordnete zehn führende deutsche Politiker nach der öffentlichen Sympathie und platzierte Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem persönlichen Rekordtief von −1,9 auf einer Skala von +5 bis −5 — nach −1,5 Ende Juli. Verteidigungsminister Boris Pistorius blieb mit +1,3 die populärste Figur, während AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel mit −2,5 auf dem letzten Platz landete.
Die Umfrage ergab zudem, dass 75 % der Befragten unzufrieden mit Merz’ Arbeit als Kanzler sind — nur 20 % sind zufrieden, ein weiteres persönliches Hoch in der Ablehnung für den CDU-Vorsitzenden. Acht von zehn Deutschen, darunter 67 % der CDU/CSU-Anhänger, sagten, die Union stehe nicht voll hinter ihrem Parteivorsitzenden.
Redaktionshinweis: Dieser Artikel stützt sich auf die Pressemitteilung des ZDF-Politbarometers August 2026 (20. August 2026), Daten der Forschungsgruppe Wahlen und Berichterstattung des Handelsblatt. Befragt wurden vom 17. bis 19. August 1.319 wahlberechtigte Personen per Telefon und online.
Wie das Sympathie-Ranking funktioniert
Jeden Monat fragt die Forschungsgruppe Wahlen wahlberechtigte Bürger: „Was halten Sie von …?“ zu einer festen Liste prominenter Politiker. Die Antworten werden auf einer Sympathie- und Leistungsskala von −5 bis +5 gemittelt und ergeben ein Top-Ten-Ranking, das deutsche Medien als Maßstab für persönliches politisches Kapital behandeln — getrennt von Parteipräferenz oder Kanzler-Zustimmungsfragen.
| Rang | Politiker | Partei / Amt | Sympathiewert | Veränderung ggü. Ende Juli |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Boris Pistorius | SPD — Verteidigungsminister | +1,3 | −0,2 |
| 2 | Cem Özdemir | Grüne — Landwirtschaftsminister | +0,9 | — |
| 3 | Johann Wadephul | CDU — Außenminister | +0,1 | — |
| 4 | Alexander Dobrindt | CSU — Verkehrsminister | −0,4 | Neuzugang |
| 5 | Lars Klingbeil | SPD — Vizekanzler | −0,6 | — |
| 6 | Markus Söder | CSU — Bayerischer Ministerpräsident | −0,6 | — |
| 7 | Bärbel Bas | SPD — Co-Vorsitzende | −0,8 | — |
| 8 | Heidi Reichinnek | Linke — Co-Vorsitzende | −0,8 | — |
| 9 | Friedrich Merz | CDU — Bundeskanzler | −1,9 | −0,4 |
| 10 | Alice Weidel | AfD — Co-Vorsitzende | −2,5 | −0,1 |
Nur drei Politiker auf der Liste verbleiben im Plus. Merz ist der schlechtest platzierte Vertreter seiner eigenen Regierungskoalition — unterhalb seines Vizekanzlers und mehrerer Oppositionsfiguren.
Merz’ wachsende Unbeliebtheit
Merz’ Sympathiewert von −1,9 markiert den schlechtesten Wert seit ZDF ihn in der Politbarometer-Reihe verfolgt. Der Rückgang von −1,5 Ende Juli setzt einen Abwärtstrend fort, der sich seit seinem Amtsantritt im Frühjahr beschleunigt hat.
Bei einer separaten Frage zu seiner Leistung als Kanzler ist das Bild noch deutlicher:
| Bewertung | Anteil der Befragten |
|---|---|
| Unzufrieden | 75 % |
| Zufrieden | 20 % |
Das ZDF beschrieb die 75-Prozent-Unzufriedenheit als neues Hoch für Merz in dieser Kategorie. Die Schwäche des Kanzlers steht im Kontrast zu Pistorius, dessen Verteidigungsressort und zurückhaltender öffentlicher Stil ihn trotz der Schwierigkeiten der Koalition durchgehend an der Spitze der Sympathieliste gehalten haben.
Zweifel an der Parteibasis
Über persönliche Bewertungen hinaus prüfte die August-Umfrage, ob führende Parteivorsitzende volle Unterstützung ihrer eigenen Basis genießen.
CDU/CSU und Merz:
| Einschätzung | Alle Befragten | CDU/CSU-Anhänger |
|---|---|---|
| CDU steht Merz nicht voll hinter | 80 % | 67 % |
| CDU steht Merz voll hinter | 12 % | — |
SPD-Co-Vorsitzende:
| Vorsitzende | Anteil: SPD steht nicht voll hinter | Anteil: SPD steht voll hinter |
|---|---|---|
| Lars Klingbeil | 53 % (57 % unter SPD-Anhängern) | 28 % |
| Bärbel Bas | 52 % (52 % unter SPD-Anhängern) | 22 % |
Die Befunde deuten darauf hin, dass Merz eine Glaubwürdigkeitslücke innerhalb der eigenen Partei sowie bei der breiteren Wählerschaft hat — ein heikles Thema für einen Kanzler, der erst Monate in seine Amtszeit eine fragile CDU–SPD-Schwarz-Rot-Koalition führt.
Parteipräferenz und Koalitionsarithmetik
Auf die Frage, wie man wählen würde, „wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre”, ergab das August-Politbarometer diese Projektion:
| Partei | Projizierter Anteil | Veränderung ggü. Vor-Umfrage |
|---|---|---|
| AfD | 27 % | −1 PP |
| CDU/CSU | 22 % | −1 PP |
| Grüne | 14 % | +1 PP |
| SPD | 12 % | — |
| Linke | 12 % | — |
| FDP | 4 % | — |
| Sonstige | 9 % | +1 PP |
Die AfD bliebe stärkste Einzelpartei, fünf Punkte vor der Union — obwohl beide einen Prozentpunkt verloren. Mit diesen Zahlen wäre eine erneute CDU–SPD-Mehrheit unerreichbar, was den strukturellen Druck auf Merz’ Regierung unterstreicht — noch bevor persönliche Zustimmung einbezogen wird.
Politische Streitpunkte in derselben Umfrage
Das August-Politbarometer verband Sympathiewerte mit Fragen zu laufenden politischen Debatten, die möglicherweise das Ansehen des Kanzlers belasten.
Rentenreform („Rente mit 63”)
Die Regierung plant, die Frührente mit 63 für langjährig Versicherte abzuschaffen — eine Reform, die mehrere Ministerpräsidenten beider Koalitionsparteien kritisieren. 75 % der Befragten lehnten die Streichung ab; nur 20 % unterstützten den Regierungsplan, mit Mehrheiten dagegen in allen Parteianhänger-Gruppen.
Landtagswahlen im Osten und die AfD
Mit Landtagswahlen in ostdeutschen Bundesländern im September fragte die Umfrage nach einem AfD-Ministerpräsidenten:
| Antwort | Anteil |
|---|---|
| Wäre schlecht, wenn die AfD eine Landesregierung führte | 64 % |
| Wäre gut | 23 % |
| Gleichgültig | 11 % |
60 % erwarteten schlechtere Politik in jedem Land, in dem die AfD regierte; nur 17 % rechneten mit Verbesserungen.
CDU-Kooperationsregeln
61 % sagten, die CDU habe Recht, eine Zusammenarbeit mit der AfD abzulehnen; 34 % unterstützten die Ablehnung einer Kooperation mit der Linken — eine Spaltung, die die Nachwahl-Arithmetik im Osten erschweren kann, wo beide Randparteien stark abschneiden.
Methodik
| Detail | Wert |
|---|---|
| Feldforschung | 17.–19. August 2026 |
| Stichprobe | 1.319 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte |
| Modus | Telefon und online; Festnetz- und Mobilnummern |
| Institut | Forschungsgruppe Wahlen (Mannheim) |
| Fehlertoleranz | ±3 Prozentpunkte bei 40 % Anteil; ±2 Punkte bei 10 % Anteil |
Die nächste Politbarometer-Sendung des ZDF ist für Freitag, 25. September 2026, geplant.
Was das für die deutsche Politik bedeutet
Sympathiewerte sind keine Wahlprognosen, messen aber persönliches politisches Kapital in einem Moment, in dem Merz es am meisten braucht. Ein Kanzler bei −1,9 — unter seinem Vizekanzler, mehreren Kabinettskollegen und sogar einigen Oppositionsführern — geht mit begrenztem öffentlichem Wohlwollen in die herbstlichen Gesetzgebungskämpfe um Rente, Haushalt und ostdeutsche Landtagswahlen.
Pistorius’ anhaltende Führung zeigt, dass einzelne Minister die Regierungsmarke übertreffen können, bietet Merz aber wenig Trost, wenn Wähler dem Kanzler Koalitionsreibungen anlasten. Die Erkenntnis, dass zwei Drittel der Unionsanhänger bezweifeln, ihre Partei stehe Merz voll hinter, könnte interne Kritiker stärken und die mediale Aufmerksamkeit bei jedem Kabinettsstreit verschärfen.
Für die breitere Parteienlandschaft rahmt eine AfD, die in der Sonntagsfrage weiter bei 27 % liegt — kombiniert mit einem Kanzler auf Rekordtief in den persönlichen Werten — einen schwierigen Herbst für Deutschlands traditionelle Mitte-Rechts-Führung.
Diskussion
Das August-Politbarometer zeigt eine Koalition unter Druck — bei Rente, Parteitreue und ostdeutschen Wahlen gleichermaßen.
1. Merz’ Sympathiewert fiel auf −1,9, während Pistorius in derselben Regierung bei +1,3 bleibt. Spiegelt diese Lücke politische Differenzen, Kommunikationsstil oder bestrafen Wähler den Kanzler für Entscheidungen, die seine Minister vermeiden?
2. Drei Viertel der Deutschen lehnen die Abschaffung der „Rente mit 63” ab, dennoch treibt die Regierung die Reform voran. Kann ein Kanzler, der bereits auf Rekordtief in der Zustimmung steht, bei einer Leitpolitik mit 75 % öffentlicher Ablehnung durchhalten — oder wird Kompromiss unvermeidlich?
Wenn Sie der deutschen Politik folgen: Welche Politbarometer-Figur überrascht Sie diesen Monat am meisten — und was würde Merz’ Verlauf ändern?
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