Waldhof Mannheim 0:0 Kaiserslautern: Pyrotechnik prägt DFB-Pokal-Derby
Waldhof Mannheim vs. Kaiserslautern im DFB-Pokal: torloses Südwest-Derby im Carl-Benz-Stadion, massive Fan-Trennung, Pyrotechnik stoppt das Spiel.
Am Freitag, 21. August 2026, empfing SV Waldhof Mannheim 1. FC Kaiserslautern in einem ausverkauften DFB-Pokal-Erstrundenspiel — einem Südwest-Derby im Carl-Benz-Stadion. Anstoß um 18:00 CEST, landesweite Übertragung bei Sky. Was folgte, war eine torlose Verlängerungsnacht, die ebenso von jahrzehntelanger regionaler Rivalität und einem massiven Polizeieinsatz geprägt war wie vom Fußball selbst — Pyrotechnik unterbrach das Spiel innerhalb weniger Minuten, beide Seiten vergaben klare Chancen, und nach 120 Minuten trieb Unruhe auf dem Platz die Spieler vom Feld, bevor ein Sieger feststand.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel stützt sich auf Spielberichte von dpa, SWR Aktuell, BBC Sport und Vorspielberichterstattung der Augsburger Allgemeine, 19.–21. August 2026.
Spiel im Überblick
| Detail | Information |
|---|---|
| Wettbewerb | DFB-Pokal — 1. Runde (2026–27) |
| Datum | Freitag, 21. August 2026 |
| Anstoß | 18:00 CEST |
| Spielstätte | Carl-Benz-Stadion, Mannheim (Kapazität ~25.700) |
| Schiedsrichter | Robert Schröder |
| Übertragung | Sky (Deutschland) |
| Stand nach 90 Minuten | SV Waldhof Mannheim 0–0 1. FC Kaiserslautern |
| Stand nach Verlängerung | 0–0 |
| Einstufung | Hochrisikospiel; massive Fan-Trennungsmaßnahmen |
Die Paarung ergab sich aus der Auslosung am 6. Juni. Drittligist Waldhof, erstmals seit 2022–23 wieder im Wettbewerb, traf auf eine Kaiserslauterner Mannschaft, die nach torlosen Auftaktremis gegen VfL Wolfsburg und Karlsruher SC noch auf ihr erstes Tor der 2.-Bundesliga-Saison wartete.
Eine Rivalität, für die die Polizei monatelang plante
Nur etwa 60 Kilometer trennen Mannheim und Kaiserslautern, doch die Feindschaft zwischen Teilen der Fanszenen reicht viel tiefer. Die Rivalität verschärfte sich, als Waldhof 1983 in die Bundesliga aufstieg und kurzzeitig mehr Zuschauer als der FCK anzog — mit Heimspielen in der Region Ludwigshafen. Jahrzehnte von Bundesliga- und Pokalbegegnungen — darunter ein 4:3-Sieg Waldhofs im April 1987, dem Platzrandunruhen folgten, und ein 3:2-Pokalsieg des FCK 2001, überschattet von Gewalt und Pyrotechnik — hielten das Duell auf dem Sicherheitsradar.
Mannheims Polizeihauptkommissar Stefan Wilhelm sagte dpa vor Anpfiff, die Priorität sei, rivalisierende Fanlager voneinander fernzuhalten — besonders vor und nach dem Spiel. Geplant waren unter anderem:
- Getrennte Anreiserouten und Parkplätze für Auswärtsfans (Friedensplatz 2 und 3)
- Shuttlebusse vom Mannheimer Hauptbahnhof für anreisende FCK-Anhänger
- Polizeieskorte für per Zug anreisende Fans
- Reiterstaffeln, Hundestaffel, Wasserwerfer und mobile Beleuchtung für die Dämmerung sowie mögliche Verlängerung oder Elfmeterschießen
- Szenenkundige Beamte, die mit der Kultur beider Vereinsfans vertraut sind
Die Stadt Mannheim koordinierte sich ab der Auslosung mit Landespolizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Verkehrsbetrieben. Lokale Straßenbahnlinien waren betroffen, und nahegelegene Einrichtungen — darunter Teile des Luisenparks und zwei Kindergärten in Stadionnähe — passten am Spieltag ihre Öffnungszeiten an.
Der Ablauf des Abends
Spannung vor Anpfiff
Stunden vor dem 18:00-Anstoß brannten bereits an beiden Enden des Carl-Benz-Stadions Pyrotechnik. Auswärtsfans warfen Bengalos Richtung Spielfeld; Heimfans antworteten mit eigenem Rauch. Als die Mannschaften schließlich unter Schiedsrichter Robert Schröder einliefen, füllten blau-schwarze Waldhof-Fahnen und rot-weiße FCK-Banner ein Stadion, das von der Auslosung an als Hochrisikospiel galt.
Frühe Unterbrechung
Innerhalb von drei Minuten nach Anpfiff legte sich Rauch vom Auswärtsblock über das Spielfeld. Schröder unterbrach das Spiel, während Ordner und Offizielle auf Sicht warteten. Heimfans zündeten ebenfalls Feuerwerk und warfen laut dpa-Berichterstattung über deutsche Medien Gegenstände auf FCK-Torwart Julian Krahl. Nach mehreren Minuten ging es weiter, doch Pyrotechnik flammte in der ersten Halbzeit immer wieder auf.
Erste Halbzeit: Chancen, keine Tore
Kaiserslautern dominierte lange Phasen ohne Durchbruch. Thierry Fidjeu-Tazemeta traf in der 40. Minute aus dem Strafraum nach Vorlage von Mergim Berisha den linken Pfosten; Thijmen Nijhuis bekam noch Fingerspitzen an den Schuss.
Waldhofs beste Gelegenheit kam früher: Kushtrim Asallari drang durch die Mitte und schoss aus 17 Metern in der 12. Minute — Krahl parierte stark. Zur Pause stand es weiter 0:0 — und damit verlängerte sich die torlose Serie von Torsten Lieberknechts Gästen.
Zweite Halbzeit: Waldhof drückt, FCK übersteht
Nach dem Seitenwechsel wuchs der Drittligist ins Spiel. Gonçalo Gregório traf in der 74. Minute vom Strafraumrand den rechten Pfosten — Waldhofs knappste Chance des Abends. Vincent Thill, einer von drei Halbzeitwechslungen von Trainer Rui Mota, testete Krahl wiederholt aus der Distanz.
Kaiserslauterns klarste späte Chance hatte Einwechselspieler Ibrahim Kanaté, der in der 85. Minute aus kurzer Distanz nach einem Zwei-gegen-eins-Angriff mit Alex Murphy verpasste. Marlon Ritter — der FCK-Kapitän, der dieses Spiel nach dem torlosen Remis gegen Karlsruhe als „das echte Derby“ bezeichnet hatte — sah einen Fernschuss pariert und erhielt später Gelb nach einer Auseinandersetzung mit Gregório, die eine Rangelei beider Mannschaften und des Waldhof-Torwarts auslöste.
Sechs Minuten Nachspielzeit brachten keinen Sieger. Das Spiel ging 0:0 in die Verlängerung.
Verlängerung und spätes Chaos
In 30 zusätzlichen Minuten fiel kein Tor. Mit dem Elfmeterschießen vor der Tür eskalierte das Duell am Ende der Verlängerung erneut: Feuerwerk flog vom Waldhof-Block auf den Rasen, Raketen kamen vom Auswärtsblock zurück, und Heimfans versuchten, den Platz zu stürmen. Die Polizei — einschließlich berittener Beamter — rückte aufs Feld vor, um es zu sichern. Schröder schickte beide Mannschaften in die Kabinen; Stand späte Berichte vom 21. August hatten die Offiziellen noch nicht bestätigt, wann oder ob das Duell für ein Elfmeterschießen fortgesetzt würde.
Sportlicher Kontext
| Verein | Form vor dem Duell |
|---|---|
| Waldhof Mannheim | Sieg 2:1 gegen Fortuna Düsseldorf (3.-Liga-Auftakt); 3:3 bei Hansa Rostock |
| 1. FC Kaiserslautern | 0:0 gegen Karlsruher SC und in Wolfsburg (2. Bundesliga); kein Tor in vier Pflichtspiel-Halbzeiten |
Waldhof hatte Kaiserslautern zuletzt 1996 besiegt. Die Klubs trafen zwischen 2019 und 2022 sechsmal in der 3. Liga aufeinander — fünf Remis und ein 2:0-Sieg des FCK im Februar 2021. Persönliche Verbindungen sorgten für zusätzliche Spannung: Terrence Boyd, Waldhofs US-Stürmer, erzielte zuvor 67 Tore für die Roten Teufel und ließ sich sogar das Vereinswappen tätowieren, bevor er nach Mannheim zurückkehrte; Lieberknecht spielte als Profi für beide Vereine.
Verletzungen prägten die Aufstellungen. Naatan Skyttä (Knie) fehlte beim FCK, während Mergim Berisha — vor dem Spiel mit Kreuzband-Bedenken gemeldet — bis zur 65. Minute durchhielt und dann für Kanaté Platz machte. Waldhof brachte Claudio Kammerknecht zu seinem Debüt in der Innenverteidigung.
Was es für den Pokal bedeutet
Ein Erstrunden-Duell im DFB-Pokal muss einen Sieger hervorbringen. Stand es nach Verlängerung weiter unentschieden, sieht die Regel ein Elfmeterschießen vor — doch Pyrotechnik, Würfe auf Spieler und Platzsturmversuche am Freitagabend erhöhten die Aussicht auf Disziplinarmaßnahmen und eine verzögerte Entscheidung. Für Waldhof war es ein moralischer Sieg, einen Zweitligisten 120 Minuten lang zu Hause zu halten — auch wenn das Duell unentschieden blieb, als der Spielbetrieb unterbrochen wurde. Für Kaiserslautern verlängerte ein weiterer Abend ohne Pflichtspieltor die Frustration zu Saisonbeginn nach zwei Liga-Remis.
Diskussion
1. Können strikte Fan-Trennung und ein massiver Polizeieinsatz ein derart hitziges Derby jemals vollständig im Zaum halten — oder garantiert das K.-o.-Format, dass Emotionen auf den Platz überschwappen?
Mannheim plante monatelang für einen Pokalabend. Pyrotechnik stoppte das Spiel dennoch innerhalb weniger Minuten, Gegenstände erreichten den Torwart, und die Polizei musste schließlich das Feld besetzen. Ist das ein akzeptabler Preis regionaler Rivalität — oder ein Hinweis, dass manche Spiele ein anderes Sicherheitsmodell brauchen?
2. Waldhof hielt zwei Stunden lang mit Kaiserslautern mit — trotz des Ligabstands. Zeigt ein torloses Remis — mit Gregórios Pfosten-Treffer und Krahl als Retter —, dass der Drittligist mit 2.-Bundesliga-Gegnern mithalten kann, oder fehlte dem FCK erneut die Schlussschärfe?
Kaiserslautern ist jetzt sechs Pflichtspiel-Halbzeiten in Folge ohne Tor. Waldhof unter dem neuen Trainer Rui Mota zog aus dem Abend Stolz, noch bevor das Nachspiel-Chaos folgte.
Teilen Sie Ihre Einschätzung zum Derby — zum Fußball, zum Sicherheitskonzept oder zur Frage, wie das Duell weitergeht.
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